LIEBE ZUM LESEN: Andrea Grill HAUTNAH

Im August habe ich Euch vom wunderbaren Roman „Das Paradies des Doktor Caspari“ von Andrea Grill berichtet.

Letzten Dienstag vor einer Woche wurde dann zufällig eine Lesung des ALUMNI-CLUB der Uni Wien eine Bibliothekslesung veranstaltet, wo Andrea Grill aus eben diesem Roman lesen sollte. Ich meldete mich also spontan dazu an. Ich gehe selten zu Lesungen, aber bei diesem Buch konnte ich einfach nicht widerstehen. Oft weiß ich nicht, wie gewisse Worte im Buch ausgesprochen werden, außerdem ist es immer etwas Besonderes, wenn ich die Gelegenheit habe, den oder die Autor/in persönlich kennen zulernen.

Als Lesungsort war die Germanistik-Fachbibliothek der Hauptuni am Ring ausgewählt worden. Da meine Mama genau dieses Fach vor langer Zeit studiert hatte, war ich besonders erfreut darüber, einmal zu sehen, wo meine Mutter sicherlich viel Zeit verbracht hatte. Ich verbrachte meine Studienzeit weit weg von dort im 9. Wiener Gemeindebezirk neben dem nunmehr abbruchreifen alten Wirtschaftsuniversitäts-Gebäudes.

Nachdem ich durch den für meine Begriffe reichlich unübersichtlichen Komplex an Stiegen und Höfen endlich den Lesesaal der Germanisten erreicht hatte, war ich wahrlich erstaunt über die alten, hohen Bücherregale und den alterwürdig anmutenden Reihen an Tischen, Sesseln und alten Lampen des Saals. Auch eine kleine Galerie befand sich in etwa der Hälfte der Raumhöhe, die man über eine ebenfalls hölzerne Wendeltreppe erreichen konnte. Ich konnte mir gut vorstellen, wie dort an manchen Tagen die braven Studenten mit Stapeln von Fachbüchern sitzen und in Stille und mit mehr oder minder großem Fleiß wichtige Informationen auf Collegeblöcke kritzeln und das Wichtigste mit bunten Stiften und leuchtenden Textmarkern hervorheben.

Ich war überrascht, wie viele Menschen diese Lesung besuchten. Ungefähr zwanzig Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts, sogar ein Junge von vielleicht vierzehn Jahren, füllten allmählich den Saal. Das Rednerpult bestand aus eine wackeligen, runden Stehtisch mit einer Leselampe, worauf ein Glas Wasser stand. Als die Veranstaltung endlich begann (natürlich c. t., also mit der obligatorischen akademischen Viertelstunde), übernahm natürlich zuerst die Gastgeberin der schönen Bibliotheksräumlichkeiten das Wort, gefolgt von der Leiterin der ALUMNI-Biologie das Wort. Als letztes sprach noch ein geladener Gast, dessen Wichtigkeit mir nicht im Gedächtnis geblieben ist, noch eine Weile über seine Sicht der Dinge. Dann übergab dieser an Frau Andrea Grill, die trotz des etwas improvisiert scheinenden Rednerpults eine gute Figur machte. Sie las dann die nächsten 45 Minuten drei treffend ausgewählte Stellen des Romans mit sympathischer Lesestimme vor ohne zu viel über den unerwarteten Ausgang der Geschichte zu verraten. Es ist doch wieder ganz anders, wenn man einen Roman vorgelesen bekommt. Ich konnte mich noch sehr gut an die eine Szene erinnern, die Frau Grill als zweite Stelle gewählt hatte. Meine Phantasie konnte die Bilder sehr lebhaft umsetzen, und so war ich wieder auf der Insel Mangalemi im Indischen Ozean bei Dr. Caspari in der Schule dabei, um ihm zuzusehen, wie er den Kindern die für die Falter so unersetzlichen Tränen entlocken will.

Dann stand Frau Andrea Grill noch eine Weile für Autogramme und Fragen bereit. Diese Chance nützte ich nur zu gerne und holte mir eine persönliche Signatur ab.

Zu Wein und Brötchen blieb ich nicht mehr lange. Die Brötchen waren bereits bis auf einen weniger Appetit anregenden Rest aufgegessen, als ich nach einer Weile die Bibliothek verließ.  Ich goss mir nur mehr zwei Gläser mit Mineralwasser hinter die Binde und machte mich dann auf den Rückweg durch die vielen Gänge und Stiegen zum Ausgang.

Diese Lesung war wieder ein Puzzlestück meines Lebens, das dieses so bunt macht, wie es nun mal ist.

Herzliche Grüße

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