LIEBE ZUR NEUGIER: wenn der Nachtwächter kommt…

Wir trafen uns am Samstag vor dem Rathaus in Steyr und warteten auf die Nachtwächterführung um 18.00 Uhr. Zwei Nachtwächter, ein Mann und eine Frau, stehen schon vor dem Eingang in originalgetreuen schwarzem Umhang samt Hut mit breiter Krempe, Horn, Hellebarde und Laterne bereit, um uns nicht nur zwei Stunden durch Steyr zu führen und uns unterhaltsame Geschichten zu erzählen, sondern auch, um mit uns die 228 Stufen des Stadtpfarrkirchturms zu überwinden.

Die Hälfte unserer ehemaligen HSP-Kursgruppe, so wie ich, verbrachten schon den Nachmittag in dieser schönen mittelalterlichen Stadt am Zusammenfluss von Enns und Steyr. Beide, so erfuhren wir später, waren wichtige Transportwege für die Flösser, um den Stahl an seinen Bestimmungsort zu bringen. Letztere wurden extra nach ihren nicht vorhandenen Schwimmkenntnissen ausgewählt, um nicht in Versuchung zu geraten, das Floss vorzeitig zu verlassen.

Ich war froh, dass wir diesmal nur eine kleine Gruppe waren, viele hatten abgesagt, bis zur Führung waren wir überhaupt nur vier Frauen. Dank der vielen unterschiedlich gestalteten Weihnachtsmärkte sind gerade viele (italienische) Touristen in der Stadt und dazu kommen natürlich noch eine Menge Einheimischer, die sich an den Punschständen laben oder die teilweise handwerklich schönen Produkte bewundern. Für mich persönlich bedeuten größere Menschenmassen auf einmal Stress, besonders wenn ich mir dann noch einen Weg zwischen ihnen hindurch bahnen muss, aber gleichzeitig meine Aufmerksamkeit und Konzentration für meine Kolleginnen brauche. An manchen Tagen geht es besser als an anderen. Da möchte dann meine Scanner-Persönlichkeit auch noch mitmischen und ist schnell von Allerlei abgelenkt.

Wir machten vor und nach dem gemütlichen Mittagessen einen Rundgang durch die drei erwähnten Märkte am Stadtplatz, vor dem Schloss Lamberg, einem „Zaubermarkt“ im Schloss und einer „Weihnachtsausstellung“, wo man Eintritt von EUR 3,00 zahlen muss.

Im Schlossgraben können mit etwas Glück auch eine dreiköpfige Steinbockfamilie beobachtet werden; ein Junges ist auch dabei, das dort zu Welt kam.Vor dem großen Christbaum am Stadtplatz wurde dann noch das obligatorische Gruppenfoto von meinen Kolleginnen und mir gemacht.

Nachdem wir gezahlt hatten und auch die anderen Angemeldeten zur Führung erschienen waren, wurden wir von den beiden Nachtwächtern in zwei Gruppen eingeteilt und bekamen getrennt voneinander ein kurze Einführung in die Geschichte der Stadt und dem ursprünglichen Tätigkeit der Nachtwächter*innen. Schon damals übten auch bereits Frauen diesen Beruf aus, da die Bürger*innen der Stadt sie nicht als Männer erkannten, wenn sie bei Nacht (und Nebel) nur mit einer Laterne beleuchtet die Straßen kontrollierten. Das schwarze Gewand und der breitkrempige Hut taten ihr Übrigens dazu. Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert gab es des Beruf des Nachtwächters. Damals durften Frauen keine Wirtshäuser besuchen, nur Nachtwächter*innen war dies gestattet, um die Trunkenbolde und Streitlustigen in ihre Schranken zu weisen.

Auch ein paar interessante Geschichten zum Rathaus und zum sogen. „Bummerlhaus“, dem Wahrzeichen der Stadt, erfuhren wir.

Dann spazierten wir weiter Richtung Stadtpfarrturm, den wir bestiegen und im „Feuerwächterstüberl“ alles über den Beruf der Feuerwächter erzählt zu bekommen. 228 Stufen in einem sehr engen Wendeltreppenhaus sind eine ganz eigene Herausforderung und verlangten nicht nur gute Kondition. 🙂

Die Nachtwächterin erzählte uns noch Allerlei über Anton Bruckner, dem „Langen Sepp“, über das Schloss Lamberg und über die hundert Arkadenhöfe in Steyr; in einem dieser Höfe endete dann auch die Führung. Wer tiefer in die Geschichte dieser bezaubernden, romantischen Stadt eintauchen will, dem sei eine Führung sehr empfohlen.

Für mich endete der Besuch von Steyr hier. Die Stadt ist gut mit dem Zug von Wien aus mit Umstieg in St. Valentin zu erreichen.

Liebe S., danke nochmal fürs engagierte Organisieren!

Alles Liebe

Eure Caroline

 

 

 

 

 

 

 

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3 Gedanken zu “LIEBE ZUR NEUGIER: wenn der Nachtwächter kommt…

  1. SunnySan schreibt:

    Hallo Caroline! Ich bin gerade auf deine Anekdote über die Steyrer Nachtwächter gestoßen. Ich bin – nach dreizehn Jahren Intermezzo in Wien – wieder zurück in meiner Heimat Steyr und habe mir fest vorgenommen, so eine Nachtwächterführung mitzumachen. Man interessiert sich oft für das andere Ende der Welt, und vergisst darüber die Neugier für das Naheliegende und das eigene Land. Die Nachtwächter sind längst nicht mehr die erste Stadtführung, die ich in meiner eigenen Heimatstadt mache – aber sie fehlt noch auf meiner Liste. Das Lesen deines Artikels hat dieses Vorhaben jetzt wieder ganz hinauf in meine Hirnschichten katapultiert, es kann nicht mehr lange dauern! Alles Liebe, Sandra

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Sandra, vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Freut mich sehr, dass ich dir dieses Highlight deiner Heimatstadt in Erinnerung rufen konnte. Wünsche dir bereits jetzt viel Freude dabei.

      Liebe Grüße aus Wien
      Caroline

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