LIEBE ZUR NATUR: Tatsächlich…Maroni

Wir genießen den goldenen Herbst und nutzen das herrliche, wenn auch windige Wetter erneut für eine Wanderung. Diesmal in der „Buckligen Welt“. Bad Sauerbrunn bis (Burg) Forchtenstein. Bis Mattersburg wäre es doch zu weit gewesen.

Die Route führt vom Bahnhof Sauerbrunn nur wenige hundert Meter zuerst links am Gesundheitszentrum vorbei, dann rechts in den Wald hinein. Egal, welcher „Fährte“ wir auch folgen wollen, alle sind bis zur Rosalia mit 3,5 Stunden angeschrieben. Wir schaffen die gelbe sogar 20 min schneller trotz kurzer Pausen. Der Weg für erst steiler und in Kehren im Wald auf den Hügel hinauf, von wo dann der weitere Verlauf großteils eben verläuft. Im Sommer ist die Strecke sicher angenehm kühl, die dicht stehenden Bäume wirken als natürlicher Windschutz. Uns begegnen nur wenige Wanderer, hin und wieder ein Mountainbiker, leider nicht immer so achtsam, sodass wir uns in Sicherheit bringen müssen. Mal ist der Weg breit, mal schmal, mal so eng, dass wir uns fast schon durchkämpfen müssen, weil uns die Himbeer- und Brombeerranken nicht mehr loslassen wollen.

Irgendwo mitten im Wald entdecken wir einen Esskastanienbaum (bei uns in Wien auch Maroni genannt). In der Natur ist es das erste Mal für uns beide, einen solchen zu entdecken. Die Früchte sind winzig, wie für eine Puppenstube gemacht. Ich stecke sie als Erinnerung ein. Die Stacheln der Hülle schauen aus wie kleine Igel und piksen scheußlich.

Wir sprechen über dies und das, auch über Intuition.

Dann sagt mein Schatz plötzlich:

„Du bist etwas Gewaltiges in meinem Leben!“

Er meint, ich hätte großen Einfluss auf seine Entwicklung gehabt. Er bewundert, dass ich mir immer Zeitnischen für mich herausnehme, auf mich achte, ob das jetzt Lesen ist oder ein Besuch im Teesalon oder der Meditationsabend mit meinen spirituellen Freundinnen.

Ich freue mich sehr über seine liebevollen und wertschätzenden Worte. Nicht immer war er meiner Meinung, besonders, was das Spirituelle betrifft, aber er merkt, dass es mir gut tut.

Insgesamt ist die Route gut beschildert. Nur auf der weiteren Strecke Richtung (Burg) Forchtenstein waren wir kurz verwirrt, da die Markierungen zweideutig waren.

Nach 3 Stunden und 10 Minuten erreichen die berühmte Rosaliakapelle, die leider geschlossen hatte mit einem tollen Ausblick über die Stadt und die Landschaft. Der Schneeberg und die Hohe Wand liegen im Nebel. Aufgrund des doch kräftigen Windes machen wir nur ganz kurz Pause und wandern dann weiter Richtung (Burg) Forchtenstein. Kurz vorher haben wir weitere Esskastanienbäume entdeckt. Diese tragen bereits größere Früchte. Ein paar Sammler verraten uns, dass man an manchen Stellen auch richtig große Früchte finden kann. Dort, wo sie sammeln, ist wohl einer der Geheimplätze.

Nach weiteren 55 Minuten erreichen wir den Ort bzw. die beeindruckende Burganlage, die in der Bushaltestelle als Schloss bezeichnet ist. Für mich ist die Bezeichnung Burg passender. Wir hören die Musik schon kurz vorher. Als wir um die Ecke kommen, ist ein großes Fest vor der Burg im Gange.

Mir kommt vor, das ganze Dorf ist auf den Beinen. Mehrere Maroniöfen stehen herum und brutzeln das köstliche Geschenk der Natur. Fleißige Damen des örtlichen Verschönerungsvereins verkaufen eine Tüte nach der anderen. Hinter ihnen liegt bereits der Nachschub für die Öfen im kalten Wasser, damit sie auch schön saftig werden. Wir checken den Busfahrplan und haben Glück. Der letzte Bus kommt in einer halben Stunde, so haben wir noch Zeit, um uns auch eine Maroniportion zu holen, die für drei Euro sehr großzügig ausfällt. In Wien sind sie weitaus teurer. Ein paar schlechte sind zwar auch hier dabei, aber dennoch werden wir beide satt. Die Blaskapelle spielt ein flottes Lied nach dem anderen. Die Menschen genießen das fröhliche Beisammensein bei Sturm und Kracherl („österreichisch“ für eine kohlensäurehältige Limonade). „Kastanienfest am 14.10.2018“ stand auf einem Schild. Na, das war eine tolle Belohnung für eine lange Wanderung! Ich liebe Maroni!

Wir sitzen in der kleinen Bushütte und warten. Ein Mann kommt samt Begleitung vorbei und sagt uns, dass der Bus Verspätung hat. Auf die Nachfrage woher er das wisse, deutet er schmunzelnd auf das Fest. Wir nicken verstehend. Tatsächlich, nach weiteren fünf Minuten taucht der Bus auf und bringt uns nach Mattersburg zum Bahnhof.

Die kalten und vor allem dunklen Jahreszeiten überstehe ich am besten mit Maroni und heißer Schokolade oder auch viel Tee.

Die Wanderung war lang und teilweise auch anstrengend, aber wir hätten bei dem herrlichen Herbstwetter nichts Besseres machen können.

Fakten: Bad Sauerbrunn Bhf. – Rosaliakapelle – Burg Forchtenstein (Bushaltestelle)

Unsere Gehzeit (inkl. zwei kurzer und einer längeren Pausen): 4 Stunden, bis zur Rosaliakapelle angegebene Zeit: 3,5 Stunden, wir schafften die Strecke trotz Pausen in 3 Stunden und 10 Minuten. Weiter bis Forchtenstein: rd. 55 Minuten

Öffis: Sonntag: Bad Sauerbrunn mit Umstieg in Wr. Neustadt 50 Minuten Fahrt, Rückfahrt von Forchtenstein mit Bus (zwei Möglichkeiten), unser Bus war der letzte nach Mattersburg an dem Tag (2018: 16.25 Uhr). Dann weiter mit Zug (2018: stündlich immer zur Minute 2) zurück nach Wr. Neustadt, mit Railjet (RJ) oder Regionalzug (R) zurück nach Wien

Weg: wenige steilere Passagen (besonders am Anfang und kurz vor der Rosaliakapelle und danach Richtung Forchtenstein), ansonsten meist eben, Waldboden mit Wurzeln, Ranken etc., lange Strecke, daher Ausdauer notwendig. Bis auf Bänke kurz vor und bei der Rosaliakapelle keine guten Rastmöglichkeiten. Wir saßen auf einem Baumstumpf fürs Mahl. Für echte Anfänger aufgrund der Länge nicht geeignet.

Kaum Ausblicke außer bei der Kapelle, da die Stecke fast nur durch oft dichten Wald verläuft. Manchmal etwas abenteuerlich, wo die Route so schmal ist, und ich mir nicht ganz sicher war, ob wir tatsächlich auf dem richtigen Weg wanderten. Markierungen fehlten hier.

Fazit: Ich bin mit meiner Ausdauer sehr zufrieden! 🙂 Das Kastanienfest war eine tolle Belohnung für die lange Tour, auch wenn sie technisch nicht schwierig war. Dafür viel Wald und ein intensives Naturerlebnis, was mir weitaus wichtiger ist. Die letzte Woche war sehr schrittintensiv, zusätzlich zu den gewohnten 2 Trainingseinheiten im Studio, daher waren die 4 Stunden mehr als genug für diesen Tag.

Alles Liebe

Eure Caroline

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