LIEBE ZUR BERÜHRUNG: Kuscheltag – Kraft und Entspannung

Ich steige als Erste in den Ring, lasse meinen Blick neugierig über die Menge schweifen und warte auf meinen Gegner, 25 Männer und Frauen sitzen gespannt im weiten Kreis um mich herum und warten, dass sich ein Herausforderer meldet. Ein Mann springt mit Affengebrüll und -gesten auf den Platz mir gegenüber. Ich stimme mitein. Wir pressen die Hände gegeneinander, versuchen uns zu Fall zu bringen. Ich bleibe stark wie eine Mauer, der andere hat keine Chance. Brust gegen Brust, ein kurzer Moment des Ausruhens, des Kraftholens, dann nach wenigen Minuten der entscheidende Stoß und der Gegner fällt auf den Rücken. Die Menge tobt. Nach zwei weiteren Kämpfen mit einem Sieg gegen eine Frau und einer Niederlage gegen einen weiteren Mann lege ich erschöpft, aber glücklich, eine Pause ein und werde Teil des Publikums.

Was sich wie ein Ring-Kampf anhört, war bloß ein Spiel, eine Übung, um den Gegenpol des Sanften, des Streichens und Streichelns zu spüren. Raufen, Rangeln, Kraft spüren – die eigene, die des Gegenübers – auch das war gestern Teil des doppelt so langen Kuscheltags (sechs Stunden statt drei, wie sonst bei den normalen Partys). Zur Sicherheit fanden die „Kämpfe“ nur kniend statt.

Der erste Teil bestand aus Ankomm-Übungen mit Tanz und langsamer Begegnung, dann immer intensiver über Einzel- und Partner- bis hin zu Klein- und Groß-Gruppen-Übungen, die ich schon von der ersten Party kannte, nur zwei waren neu. Die eine hieß „Engelsstraße“. Acht Kuschler und Kuschlerinnen stellten sich gegenüber auf. Dann bewegten sich einer nach dem anderen mit geschlossenen Augen langsam durch diese „Straße“ und die Übrigen durften ihn dann streicheln und berühren. Ein bisschen wie bei einer „Geisterbahn“, nur viel angenehmer und ganz und gar nicht gruslig.

Auch eine Achtsamkeitsübung war diesmal dabei. Dabei ging es darum, dass sein Gegenüber eine Zeit lang mit drei unterschiedlichen Intensionen zu berühren, dazwischen immer wieder kurz erden. Danach wurde gewechselt und seine Erfahrungen miteinander ausgetauscht. „Ich bin da und nehme war.“ war das Ziel. Sich zurückzunehmen und nur zu spüren und zu fühlen, kein Wollen des Egos, kein Sollen des anderen.

Nach einer 1. Pause fand die erste große Kuschelrunde von rund dreißig Minuten statt. In einer großen Spirale, angeführt von einem erfahrenen Dauerkuschelpartybesucher und einer der drei LeiterInnen, legten wir uns in einem großen Haufen zusammen. Arme und Beine fanden zusammen, streichelten, liebkosten, umarmten, wärmten. Natürlich ganz brav nach den Kuschelregeln (Kleidung ist immer an, kein Sex etc).

Dann ging es weiter mit dem „aktiven“, kraftvollen, Stärke zeigenden und spürenden Teil. Eben unter anderem mit Rangeln, aber auch Vertrauensübungen wie Kraft und Gegenkraft spüren, indem sich die beiden Gegenüber fest oberhalb des Handgelenks packen und sich dann vom anderen halten lassen, wenn man sich dann zurücklehnt, oder auch gegeneinander drücken, den Anderen wegschieben und Kraft und Gegenkraft spüren.

Nach einer 2. kürzeren Pause folgte nochmal eine große Kuschelrunde als großes Finale. Danach gab es noch eine kurze Feedbackrunde.

Meine anfängliche Aufgeregtheit legte sich diesmal viel schneller, eine Frau erkannte mich sogar vom letzten Mal wieder. Ich kuschelte mit viel mehr unterschiedlichen Leuten – vier Männer und zwei Frauen – um die Unterschiede zu spüren und zu fühlen. Nach meiner bisherigen Erfahrung sind Männer beim Kuscheln im Durchschnitt kraftvoller, beschützender, grober, direkter und selbstbewusster als Frauen, geben dadurch aber auch mehr Geborgenheit und Schutz. Frauen sind im Durchschnitt dafür zärtlicher, einfühlsamer, rücksichtsvoller, spürender, liebevoller und vorsichtiger, was dann mehr Herzlichkeit und Wärme mit sich bringt. Das Tolle ist aber, dass jeder Mensch ja ein individuelles Wesen ist, auch beim Kuschelstil, -intensität und -ausführung. Die Reflexion meiner Kuschelerfahrung, die natürlich nur einen winzigen Bruchteil aller Menschen umfasst, ist deshalb natürlich nicht auf jeden zutreffend.

Ich fühlte mich schneller wohl und geborgen, traute mich mehr, konnte mehr meine Authentizität leben, meine Power und Energie erkennen und fühlen – sie wurde von vielen Leuten als Feedback bestätigt. Mein Selbstbewusstsein und mein Selbstvertrauen wurden durch die wundervolle Gruppe verstärkt, herausgekitzelt und gestärkt. Ein großer Unterschied zur 1. Party.

Insgesamt ein kurzweiliger, lustiger, kuschliger, liebevoller und stärkender Nachmittag. Ganz wunderbar.

Ich wünsche Euch allen einen wunderbar kuscheligen Tag!

Alles Liebe

Eure Caroline

 

LIEBE ZUR KULTUR: „Die 39 Stufen“ – der lustigste Krimi, den ich je gesehen habe

Ich lache gerne und viel. Deswegen bevorzuge ich im Gegensatz zum Kino, wo ich mit wenigen Ausnahmen alle Genres gerne mag, im Theater Komödien. Wir gehen selten ins Theater, aber dafür wählen wir die Stücke dafür auch besonders sorgfältig aus. Besonders liebe ich die Kammerspiele des Theaters in der Josephstadt in der Rotenturmstraße in Wien, 1. Bezirk. Die Kammerspiele sind klein und fein und die Schauspieler, allen voran Alexander Pschill, sind toll. Ich habe dort noch nie ein schlechtes Stück gesehen.

Am Sonntag waren wir nach langer Zeit mal wieder in den Kammerspielen und haben uns „Die 39 Stufen“ von John Buchan und Alfred Hitchcock, bearbeitet von Patrick Barlow, nach dem Originalkonzept von Simon Corble und Nobby Dimon. Deutsch von Bernd Weitmar, angeschaut. Regie: Werner Sobotka, Dramaturgie: Leonie Seibold.

Selten habe ich so eine kreative und lustige Inszenierung eines Krimis gesehen, wie in „Die 39 Stufen“. Mit bloß drei Schauspielern und einer Schaupielerin, die mit Ausnahme von Alexander Pschill, alle mehrere Rollen übernahmen, vergingen die 2 Stunden (plus 20 min Pause) wie im Flug. Kurzweilig und spannend bis zum Schluss mit ganz viel Situationskomik.

Die meisten Requisiten hatten in der Handlung unterschiedlichen Einsatz, haben Mehrfachfunktionen oder werden kreativ eingesetzt, wie Leitern, die als Brückenersatz dienen, große Kisten sind sowohl Sitzgelegenheit im Zug, wie auch später Waggon-Dächer, eine Einrichtung eines Hotel verwandelt sich durch Drehen blitzschnell in ein gemütliches Zimmer mit Bett und Kamin oder ein Duschvorhang wird zum Wasserfall.

Rasante Kostümwechsel und heitere Einlagen der spielfreudigen Schauspieler lassen keinerlei Fadesse aufkommen . Auch Schattenspiel- und Slapstickeinlagen werden gekonnt in die Handlung eingebaut.

Kurzum ein amüsanter, kurzweiliger Theaterabend ist garantiert.

Viel Spaß und alles Liebe wünscht Euch

Eure Caroline vom LIEBESRAUM