LIEBE ZUR KUNST: Von gefälschten Bullen und heiligen Ochsen

Wir sind eine Gruppe von 27 Personen, ich mit Abstand die Jüngste. Anfangs herrscht Chaos, als der „Klingelbeutel“ herumgereicht wird, dann bekommt noch jeder ein rosa Pickerl für die Kleidung, die moderne Eintrittskarte. Dann noch schnell mit dem futuristischen runden gläsernen Lift nach unten zur Garderobe. Nach rund 20 minütiger Verspätung kann es endlich mit der Führung beginnen.

Das Dommuseum präsentiert sich mit seiner gläsernen Front im Eingangsbereich und dem Lift samt spiralenförmig angelegtem Treppenhaus – das auch schon ein Kunstwerk an sich sein soll – modern. Auch im 1. Stock hängen überraschend diverse Bilder von Künstlern moderner, großteils abstrakter Strömungen. Damit habe ich, ganz offen gesagt, nicht gerechnet. Der österreichische römisch-katholische Priester Otto Mauer, ein berühmter Kunstsammler und Mäzen, meinte, dass Kunst und Kirche näher zusammenrücken sollen. Ein Teil seiner Sammlung beherbergt nun dieses Museum.

Eine Frau und ein Mann, unsere Führer, halten einen Dialog. Mal weiß der eine besser Bescheid, dann der andere. Die Frau verwechselt manchmal die Daten, aber die merke ich mir eh nicht. Sie erklären uns vor allem die sakralen Kunstwerke. Beginnend mit der Statue der heiligen Magdalena (Barock), streiten ein wenig darüber, ob sie nun Sünderin war oder nicht, dann ging es weiter zu Rudolf IV., Herzog von Österreich „Der Stifter“ – später als selbsternannter Erzherzog -. Im Dommuseum kann man nicht nur das berühmte erste 3/4-Portrait von ihm sehen, sondern auch sein Grabgewand. Wir erfuhren, dass er nicht nur ein ausgefuchster Fälscher war – er „änderte“ die „Kleine Bulle“ auf eine „große Bulle“, was Wien ein paar zusätzliche Rechte einbrachte -, zudem bediente er sich einer selbst erfundenen Geheimschrift.

Insgesamt dauerte die Führung über zwei Stunden. Ochs und Esel, die bekannten Krippengesellschafter der heiligen Maria und Josef und dem Jesuskind, begegnen uns auf den Bildern immer wieder. Von diversen Engeln und Heiligen ganz zu schweigen.

Wieder ein Museum kennengelernt, das ich bisher noch nicht gekannt habe. Vom anderen erzähle ich ein anderes Mal.

Alles Liebe

Eure Caroline

 

 

LIEBE ZUR KUNST: Korallen aus Farbe

 

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Niki Neuspiel „Frei 9“, Acryl auf Leinwand, 80x80cm

Gestern gewährte mir NIKI NEUSPIEL, ein befreundeter Künstler, dankenswerterweise einen Einblick in sein Allerheiligstes. Ordentlich aufgeräumt, kistenweise Farbe, nur als Pigment oder schon fertig zum Gebrauch. Ein großer Arbeitstisch dominiert die Werkstatt, der hintere Teil des Raums ist ausgefüllt von Bildern in allen Zuständen, von fertig bis halb vollendet oder überhaupt noch ganz am Anfang als grundierte Leinwand.

Er spachtelt Acrylfarben, die er selbst mischt, möglichst frei auf eine Leinwand. Durch diesen Prozess entstehen moderne, abstrakte Werke. Kräftige, starke Farben, vielfach Rot und Orange. Mal sind es Flächen, mal Sprengsel oder Kleckse, sogar einmal eine Spirale, Steifen oder Rinnsale. Aus der Leere der grundierten Leinwand entsteht mit Hilfe von Werkzeugen Leben aus Farbe, die sich mit einer anderen vermischt, an anderer Stelle bloß überdeckt sie oder sogar künstlich Rost ansetzt. Manchmal ruhig dahinfließend, mal mit scharfen Kanten abgrenzend, mal chaotisch anmutend oder Gebirgen gleich Struktur gebend. Vielfalt entsteht, nichts ist zweimal vorhanden.

Meine Sicht auf die Welt ist, wie bei jedem Menschen, von meinen Erfahrungen und Erlebnissen stark geprägt. Gestern wurde mir dieser Umstand wieder sehr bewusst. Ich bin studierte Anthropologin, also konnte ich in seinen Bildern oftmals menschenähnliche oder organische Formen erkennen, auch wenn sie vom Künstler nur selten bewusst als solche gemalt worden waren. Ein anderer würde das vermutlich anders sehen.

Ein von ihm noch als unfertig bezeichnetes Werk beeindruckte mich besonders, weil im unteren Bereich der Leinwand scheinbar große eckige Korallen aus roter und weißer Farbe wuchsen. So lebendig, so kräftig.

Ich bekam viele spannende Einblicke in eine meist verborgene Welt.

Vielen Dank für die Gastfreundschaft und den interessanten Nachmittag, lieber Niki!

Alles Liebe und bleibt neugierig,

Eure Caroline

Homepage des Künstlers NIKI NEUSPIEL: https://www.nikineuspiel.com/