LIEBE ZUR NATUR: Von Lärchen, Ziegen und Ameisen samt einer Gämse

20180421_122637114989021.jpg

Auf dem Weg zur Waldburgangerhütte

20180421_1250531601377943.jpg

Eine der beiden „Wach“-Ziegen

 

20180421_150208685572695.jpg

Lärche: weibliche (neue (rötlich) und alte) und männliche Zapfen (die gelblichen kleinen)

Fakten: Payerbach-Reichenau Bahnhof  (483 m. ü. A.)- Jubiläumsaussicht (Pause) – Waldburgangerhütte (1.182 m. ü. A. Pause)-Prigglitz – Gasthaus Seelhofer (Pause)- Sattelweg – Schlögelmühl Haltestelle (inkl. 4 Pausen rd. 5,5 Stunden)

Nicht für Anfänger geeignet. Teilweise sehr steil, besonders im Anstieg. Rutschig durch viel Laub, Nadeln und Bockerl (deutsch: Zapfen). Teilweise auch steinig, aber viele aussichtsreiche Stellen!!

***

Wir gehen langsam die Zufahrtsstraße zum Einstieg Richtung Waldburgangerhütte hinauf. Ich muss erst meinen Rhythmus finden. Vieles blüht auch hier schon. Die Sonne schein kräftig, eine angenehme Brise kühlt unser erhitzten Gesichter. Wir erreichen einen großen Hof. Vor der Eingangstüre liegen zwei kleine Ziegen. Die eine begrüß uns wie alte Freunde, lässt sich streicheln, reibt wie eine Katze den Kopf an unseren Beinen. Ich glaube, die juckt es am Kopf, der ist schon ganz kahl.

Wir gehen noch ein kurzes Stück, dann folgt der steile Einstieg in den Wald hinauf. Wir schnaufen. Viele Bockerl und Laub behindern uns. Ich höre mein Herz laut pochen, da ein Rascheln rechts von mir tief unten auf dem steilen Abhang. Da, ein Reh, nein, es ist eine Gämse. Schon lange keine mehr in freier Wildbahn gesehen. Eine Minute später ist sie schon wieder verschwunden. Nach eine längeren Bergaufstrecke, einmal sogar mit einer Kette gesichert, erreichen wir die Jubiläumsaussicht, wo wir kurz verweilen. Ein Pärchen teilt mit uns die Bank. Wir machen uns wieder auf den Weg.

Es geht weiter erst auf weitem, dann auf schmalem Pfad den Berg hoch, aber nicht mehr ganz so steil. Ein letztes Steilstück und schon sind wir bei der Hütte. Sie liegt noch im Winterschlaf. Geöffnet erst ab 01.05. Das Pärchen ist auch wieder da. Wir machen wieder Rast und stärken uns mit einer gefüllten Semmel und Wasser.

Unsere Wanderung führt uns noch ca. 20 weitere Minuten den Berg hinauf Richtung Prigglitz. Dann endlich geht es langsam ins Tal. Mir fallen haufenweise Ameisenhügel auf. Große, kleinere, schöne kegelförmige wie aus dem Lehrbuch, halb eingestürzte. Bei einem hatten die Bewohnerinnen die untersten Zweige des nahen Baumes mit verbaut. Aus dem Hügel wuchsen sogar ein paar Pflanzen. Insgesamt zählen wir auf dem einen Teilstück 12 Hügel. So viele habe ich noch nie innerhalb kürzester Zeit gesehen.

Wir erreichen ein Lärche, die gerade blüht. Sie ist einhäusig, aber getrennt geschlechtlich.  Es gibt also weibliche (jung: rötlich/purpur, alt: dunkelbraun) und männliche Zapfen (gelblich) auf einem Baum. Ich habe das so noch nie gesehen. Da muss ich gleich ein Foto machen. „Bockerl“-Produktion hautnah, sozusagen. Mein Biologenherz schlägt höher.

Wir machen Pause und legen uns einfach irgendwo ins Gras. Oh, ist das wunderbar. So friedlich. Kein Mensch weit und breit. Nur wir und das Vogelgezwitscher.

Dann endlich erreichen wir schon durstig den Gasthof in Prigglitz. Wieder eine Pause auf der schönen Terrasse.

Endspurt. Die letzte Etappe führt rd. 3,5 km entlang des „Sattelwegs“ nach Schlögelmühl. Müde erreichen wir nach weiteren 30 min (angegeben sind 45 min) die Haltestelle Schlögelmühl. Wir müssen noch länger auf den nächsten Zug warten, aber das ist egal. Nach der langen und ersten richtigen Bergtour dieses Frühjahr sind wir eh müde und genießen die Sonnenstrahlen.

Eine wunderschöne, aussichtsreiche Wanderung hatten wir da. Die nächste folgt bald.

Alles Liebe

Eure Caroline

 

 

LIEBE ZUR NATUR: Der „Pizzabote“ im Wald

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Am Sonntag: Vom Bahnhof Payerbach-Reichenau (NÖ) über die Waldburgangerhütte und Schneedörfl zurück nach Payerbach (1 h 45 hoch, 2 h hinunter bis Schneedörfl -> Payerbach Bahnhof 15 min länger).

Der Tag begann trüb und regnerisch, das ist mittlerweile kein Hindernis mehr für mich. Nach einem labenden Frühstück und einer ereignislosen Bahnfahrt nach Payerbach-Reichenau folgten wir den Hinweisschildern Richtung Waldburgangerhütte. Neuland für beide von uns. Die ersten rund 25 Minuten folgten wir einer Straße zu einem Bauernhof. Zuerst begegneten wir einigen Duzend grauen Kühen, später sogar den berühmten Highland cows (s. Handyfotos), auch einige Pferden und sogar einem kleinen Esel konnten wir entdecken. Wenige Meter nach dem Hof ging es- ein Hund verfolgte jeden unserer Schritte misstrauisch –  dann steil, an einer Stelle sogar mit einer Eisenkette gesichert, bergan durch den erfrischenden und erholsamen Wald.

Ich liebe den Wald. Den Geruch, das variantenreiche Grün, die „Stille“, die Geräusche der Tiere, die Erde, die mich trägt und Kraft gibt. Die letzten Wochen waren sehr chaotisch und psychisch anstrengend für mich. Ich hatte viel auf meine Schultern geladen. Sogar mein Bauch streikte zunehmend. Am Samstag nach emotionalen Stunden brachen dann ganze Gebirge von meinem Herzen. Klärung und Heilung waren dann am Sonntag möglich. Was ist da besser als eine Wanderung durch herrlichen, dichten Wald?  So eine Wanderung ist wie eine Psychotherapie. Gespräche gehen viel leichter von der Hand, Energie kehrt zurück, positive Gedanken gewinnen wieder die Oberhand und liebevoller Gleichmut stellt sich ein.

Nach einer Weile und einem kurzen Abstecher nach links abseits des Hauptweges erreichten wir die wunderschöne „Jubiläumsaussicht“. Bei gutem Wetter hat man hier einen phänomenalen Weitblick auf die umgebende Gebirgslandschaft (s. Handyfotos).

Nach einer kurzen Rast samt Obst als kleine Stärkung folgten wir dem Hauptweg weiter Richtung Hütte. Nach einem letzten steileren Stück hatten wir es zur „Bodenwiese“ geschafft, wo die Hütte nach wenigen Metern auf der rechten Seite steht.

Wir stärkten uns dort mit Frittatensuppe. Für mich gab es auch noch eine sehr zu empfehlende „Weiße Mohnschnitte“. Köstlich. Mjam, mjam.

Zurück wanderten wir dann über teilweise sehr steile Pfade wieder hinunter und über den Ort Schneedörfl zurück nach Payerbach in knapp über zwei Stunden zum Bahnhof zurück. Lange warten mussten wir zum Glück nicht. Der Zug wartete bereits auf uns.

Am Rückweg kam uns ein Mann im Anzug samt Krawatte und pizzabotentauglicher Tasche in den Händen entgegen. Ich hätte ihn am liebsten gefragt, welche Pizza er denn dabei hat. Der Mann schaute aber so grimmig und konzentriert von der Anstrengung, dass ich mich gerade noch zurückhalten konnte. Welche Schuhe die Typ für seine flotte Besteigung vorgesehen hatte, kann ich Euch leider nicht verraten, dazu war ich in diesem Moment viel zu erstaunt gewesen.

Ich wünsche Euch einen sonnigen Tag,

Eure Caroline