LIEBE ZUR BERÜHRUNG: Anleitung zum Kuscheln

Ich stehe am Donnerstagabend vor einem Altbau im 16. Bezirk in Wien in der Hyrtlgasse. Neben dem Klingelschild der Tür Nr. 12 (Therapiezentrum Hyrtlgasse) ist mit Klebeband ein Zettel mit der Aufschrift „Die Kuschelparty“ befestigt. Ich atme tief durch und betätige den Türöffner. Das Haus verschluckt mich. Weitere aufgehängte Hinweise führen mich zum Therapiezentrum. Die Türe ist nur angelehnt. Frau Andrea Kiss, die Leiterin dieser Veranstaltung, begrüßt mich freundlich und zeigt mir die Garderobe und erklärt mir, wie die Anmeldung funktioniert. Ich fühle mich etwas angespannt, aber ich ziehe mich um und zahle die EUR 18,00 an die Assistentin an der „Rezeption“. Ich schreibe meinen Namen auf einen der vorbereiteten Klebestreifen statt eines Namensschildes und klebe ihn mir auf mein T-Shirt. Der Pausen- bzw. Aufenthaltsraum, wo sich auch die Toiletten befinden, ist auch eher klein, aber gemütlich mit einem großen Sofa und Hockern ausgestattet. Auf den umliegenden Tischen befinden sich haufenweise Knabbereien und auch Wasser und Tee zur Stärkung. Ich sitze etwas befangen auf dem Sofa und erwarte die Dinge, die da kommen mögen.

Ich überrascht, wie viele Menschen das Bedürfnis nach Kuscheln und körperlicher Berührung nachgehen. Wir sind 20 Personen, bunt gemischt mit dem gemeinsamen Wunsch nach Berührung. Immerhin sind wir uns alle mehr oder minder fremd. Besonders jene, die wie ich, zum ersten Mal dorthin kommen. Besonders freut mich, dass auch ungefähr die Hälfte der Teilnehmerinnen Männer sind. Die weiche, verletzliche, sensible Seite zu zeigen, fällt vielen Männern schwer.

Ich bin kein Single und habe auch keinen Mangel an körperlicher Berührung, aber für mich ist Kuscheln mehr als nur Bedürfnisbefriedigung. Es ist für mich Stressbewältigung, Geborgenheit, Sicherheit, Vertrauen, Selbstbewusstseins- und Immunsystemstärkung in einem. Je mehr, desto besser. Außerdem bin einfach schrecklich neugierig. Ich tue Menschen gerne Gutes, ein Grund, warum ich vor vielen Jahren Masseurin geworden bin. Mittlerweile kommt nur mehr mein Schatz in den Genuss, was ich schade finde. So viele Menschen sind alleine oder haben zwar einen Partner/eine Partnerin, aber haben dennoch einen Mangel an Berührung, so traurig das ist. Nicht jeder/jede hat so ein Glück, wie ich, so eine außergewöhnliche Lebenspartnerschaft zu führen.

Auf los, geht es los. Wir beginnen mit einer ganz schnellen Begrüßungsrunde und der Erläuterung der Kuschelpartyregeln (kein Sex, kein Kuschelmuss, Kleidung bleibt an etc). Dann geht es auch schon mit Ankommens- und Achtsamkeitsübungen los. Jede Übung bringt uns immer näher an die anderen Teilnehmerinnen heran und baut Vertrauen und Wohlfühlen auf. Meine anfängliche Anspannung und mein Unwohlsein verfliegen mehr und mehr. Bei einer Übung stehen je die Hälfte von uns im Kreis und strecken die Hände in die Mitte, um dann vorsichtig und zärtlich die Hände und Arme der anderen zu erkunden. Bei der letzten Übung vor der Pause liegt abwechselnd eine oder einer mit verbundenen Augen auf einer Matte und lässt sich nach seiner/ihrer Anleitung von zwei anderen verwöhnen. Nach einer Weile wird gewechselt. Ich genieße es so, zu sehen und zu spüren, wie ich mit meinen Händen einem (fremden) Menschen Wohlbefinden und Entspannung schenken kann. Wie früher als Masseurin. Meine Gabe der Hochsensitivität hilft mir hier sehr. Meine Feinfühligkeit, Anpassungsfähigkeit und Empathie kann ich nutzen, um Menschen Gutes zu tun. Das gefällt mir sehr.

Nach der Pause beginnt das eigentliche Kuscheln, sozusagen. Die Matten liegen zu einem großen Feld zusammengeschoben auf dem Boden. Bald liegen alle kreuz und quer in unterschiedlichsten Konstellationen auf den Matten und genießen die wohlige Kuschelstimmung. Meine anfängliche Scheu ist komplett verflogen. Ich finde mich am Rand der Gruppe zwischen zwei Männern als „Kuschl-Sandwich“ wieder. Meine linke Hand hat immer wieder Kontakt mit weiteren Armen und Händen. Irgendwann wird mir der Typ im Rücken zu viel und ich schüttle ihn ab. Auch der Mann auf der anderen Seite neben mir muss ein Pause einlegen. Für die Länge eines letzten Liedes kuscheln wir uns nochmals ganz eng zusammen. Seine wunderbare Energie entspannt mich total und gibt mir Geborgenheit und Sicherheit. Ich weiß von ihm nicht viel mehr als seinen Namen. Was absichtslose Berührungen so alles bewirken können.

Nach einer kurzen Abschlussrunde ist die Party auch schon wieder vorbei. Die nächste kommt bestimmt. 🙂 Ein Gruppenerlebnis mit Suchtfaktor.

Ich kann es nur jedem empfehlen, egal ob Single oder Paar. Kuscheln und Zärtlichkeit kann man nie genug in seinem Leben haben, finde ich.

Herzliche Grüße

Caroline

PS: Danke fürs Lesen! Ihr seid toll! ❤

PPS: Die Idee dazu hatte ich schon lange, nachdem eine liebe Freundin, die jetzt in Freising (D) lebt, diese Kuschelpartys selbst besucht und viel Gutes zu berichten hatte. Erst nachdem eine andere Freundin wieder davon erzählt hat, habe ich mich dazu entschlossen, auch endlich mal hinzugehen. Leider hatte sie keine Zeit, um mich dorthin zu begleiten.

PPPS: http://www.diekuschelparty.at für weitere Infos und Anmeldung

Advertisements

LIEBE ZUR NATUR: Von Osterhasen und Kröten

Nationalpark Neusiedlersee Illmitz Ostern 2017

Jetzt waren wir schon 3. Jahre hintereinander im Frühjahr in Illmitz. Diesmal wieder zu Ostern, wie auch letztes Jahr schon. Jedes Mal ist es wieder herrlich erholsam, auch wenn das Wetter nicht immer ganz so ist, wie wir das gerne hätten. Sonne hatten wir diesmal sogar mehr als erwartet und weniger Wind. 🙂

Ein Paradies für Vögel und Amphibien mit all den Lacken und den vielen versteckten, geschützten Plätzen.

Schon letzte Woche konnten wir auf der Fahrt von Retz nach Wien auf den Feldern und Wiesen viele Feldhasen und Rehe entdecken.

In Illmitz und Umgebung liefen uns bereits beim ersten Spaziergang am Freitag Abend mehrere Fasane, ein Osterhase (alias Feldhase) über den Weg. Von den vielen Störchen ganz zu schweigen, die bereits fleißig beim Nestbau waren. Sie bevorzugen immer dieselben Nester wie im Vorjahr, wenn möglich, und verteidigen diese auch vehement gegen mögliche Konkurrenz. Bis zu 4 Jungen ziehen sie auf, wobei die Eier so gelegt werden, dass die Jungen mit kurzen Abständen hintereinander schlüpfen. So kommt es, dass das jüngste Tier oft Pech hat und von den Geschwistern bekämpft wird bzw. zu wenig Futter abbekommt. Meistens stirbt dieses dann an Entkräftung. Nur 10 % aller Jungstörche überleben den Flug nach Afrika. (Die Storch-Infos habe ich alle von einer netten Dame bekommen, die uns auf unserer Amphibienexkursion begleitet hat.)

Auch Kiebitze, unzählige Wildgänse verschiedener Arten und einen Grünfink konnten wir beobachten.

Wir machten, wie schon erwähnt, bei einer amphibienkundlichen Exkursion mit dem Thema „Kröten, Frösche und Unken“ mit. Exkursion war eine unpassende Bezeichnung für die Veranstaltung. Zuerst hörten wir uns über eine Stunde einen Vortrag über die heimischen Arten und über Amphibien allgemein an, dann gingen wir in den Garten zu einem Teich und die beiden Leiter fischten für uns ein paar Unken aus diesem. Dazu fanden wir noch einen Kammmolch, einen Kolbenwasserkäfer und eine interessante Wasserspinne. Letztere nimmt sich sogar Luftblasen mit unter Wasser und sammelt diese zwischen Wasserpflanzen, um dann in der „Taucherglocke“ auf ihre Opfer zu warten.

Auch wurden zwei Laubfrösche in der Wiese gefangen. Da diese dank ihrer Haftscheiben an den Füßen auch auf Bäum klettern können, fanden wir zwei weitere auf Ästen der Holundersträucher am Ufer des Teichs. Wir entdeckten auch eine eher seltenere Steinhummel und noch ein paar andere Spinnenarten.

Zuletzt machten wir noch einen Spaziergang in den Nationalpark, aber außer einer jungen toten Ringelnatter und zwei weiteren Rotbauchunken fanden wir nichts mehr Interessantes.

Am Montag ging es dann nach dem Frühstück wieder heimwärts. Trotz des vielen Regens konnten wir am Nachmittag nochmals einen Spaziergang durch den Prater machen. Ich sehe so gerne die Kastanien blühen. Wir waren dafür aber noch etwas zu früh dran, die meisten blühten noch nicht oder nur teilweise.

So ist mir Ostern am liebsten. Zu zweit weit weg von allem Feiertrubel und viel Natur für mein Biologenherz. 🙂

Herzliche Grüße

Eure Caroline

LIEBE ZUR NATUR: Über Berg und Tal in den Nationalpark Thayatal

 

Unser Sonntag war wieder einmal sportlich. Diesmal sind wir samt unseren Rädern mit dem Zug nach Retz gefahren. Von dort radelten wir dann ca. 1 h 45 min zum Nationalparkhaus des Nationalparks Thayatal. Die Strecke geht die meiste Zeit bergauf. Ich gebe offen zu, ich bin keine besondere Bergfahrerin, schon gar nicht, wenn ich die erste Radtour dieses Jahres mache. Dafür sah ich auf einem Baum einen wunderschönen Bussard sitzen, der so still da saß., dass man glauben könnte, er wäre gar nicht lebendig.

Nach einer kurzen Pause auf einer Bank in der Sonne wanderten wir dann nach Hardegg und dann ein Stück entlang des (Grenz)Flusses. Leider ging der Weg viel zu schnell wieder sehr steil die Böschung hinauf. Ein Pärchen Buchfinken  konnten wir im Wald beobachten. Nach einer Weile erreichten wir ein wunderschönes Platzerl an der Thaya, wo wir schon mal waren. Dort rasten wir eine Weile. Mit frischem Schwung gingen wir den Weg ein Stück zurück und folgten dem Verlauf in einem großen Bogen zurück zum Nationalparkhaus.  Dort stärkten wir uns mit einer köstliche Bärlauchsuppe.

Wir waren ca. 2 Stunden unterwegs. Der vom Winter erwachende Wald hat eine ganz besondere Kraft. Die Vöglein sangen auf vollem Hals, aber sonst war es so still und friedlich. Überall blühten Pflanzen und nur wenige Wanderer kamen uns entgegen. Einfach herrlich.

Nach der Stärkung ging es wieder mit dem Rad retour nach Retz. Das Gute an Bergen ist, dass es auf der anderen Seite wieder hinunter geht. So waren wir in nur einer Stunde wieder im Ort, wobei wir noch einen Abstecher in die Kaffeekonditorei Felix Wiklicky machten. 🙂

Ihr seht, wir nutzen das sonnige Wetter gut aus. 🙂 Meine Kondition wird jedenfalls Tag für Tag besser. Die Natur ist doch das beste Fitnesscenter.

Ich wünsche Euch allen eine angenehme Karwoche und schon jetzt von Herzen ein frohes Osterfest. Wir werden dieses zu zweit wieder in Illmitz im Burgenland verbringen. Unser bevorzugtes Hotel „Johannes Zeche“ hatte wieder ein interessantes Frühlingsangebot für uns. Ich werde berichten.

Herzliche Grüße

Eure Caroline

 

LIEBE ZUR NATUR: Die Funker auf dem „Gelände“

Unsere 1. richtige Wanderung führte uns an diesem wunderbar sonnigen Sonntag mal wieder von der Haltestelle Grünbach Schule über das „Gelände“ auf die „Hohe Wand“ in NÖ. Diesmal sind wir beim Rückweg nicht den Klettersteig bei der hohen Kanzel, sondern den Wanderweg Richtung „Seiser Toni (GH)“ hinuntergegangen. Der Weg war war zwar auch teilweise durch das Laub und die Nadeln glatt und auch steinig, aber lang nicht so steil wie der Klettersteig und natürlich ohne Kletterstellen.

Wie immer waren wir die einzigen, die diesen Aufstieg genommen haben. Die meisten wandern entweder direkt auf die Hohe Wand oder nehmen die Variante auf der Rückseite des „Geländes“, die offenbar einfacher ist. Von Grünbach aus ist der mittlere Teil der Wanderung sehr der Sonne ausgesetzt, weil dort vor einiger Zeit die ganzen Bäume gefällt wurden. Dadurch ist auch der begehbare steile Weg nur mehr ein schmaler Erdstreifen, der dadurch sehr rutschig ist.

Obwohl ich diesen Winter nicht regelmäßig trainieren konnte, weil ich so viel krank war, war ich positiv überrascht, wie gut ich doch die teils sehr steilen Stücke geschafft habe. Wir waren in einer Stunde (inkl. 2 kurzer Trink-Pausen) oben auf der Almwiese kurz vor der Geländehütte auf 1023 m Seehöhe.

Dank des nur leichten Windes konnten wir bei der Hütte eine längere Pause einlegen. Nicht nur auf Reisen kann man interessante Begegnungen haben, sondern u. a. auch bei Wanderungen in der wunderschönen Natur. Diesmal trafen wir zwei redselige Funker samt Morsetaste, Funkgerät und Antenne, die uns voller Begeisterung alles erklärten, was ich wissen wollte. Wir erfuhren nicht nur, dass man vom Gelände aus einen tollen Kontakt nach LINZ (über 200 km Luftlinie entfernt) hat, sondern, dass man offenbar durch eine Reflexion der Funkwellen an den umliegenden Bergen indirekt einen besseren Kontakt nach Wien (2./Leopoldstadt) hat als auf der direkten Luftlinie. Noch dazu lerne ich an diesem Tag, dass sich der Funker die Buchstaben des Morsealphabeths nicht anhand der Strich (lang) und Punkt (kurz)-Kombinationen merkt, sondern nur die Melodie der Wörter bzw. Buchstaben, die beim Funken entsteht. Denn bei hohem Tempo der Nachricht würde sonst nichts mehr verstanden werden. Pro erfolgreichem Kontakt erhalten die Funker übrigens vom Gelände aus 4 Punkte. Ein Kollege der Herrschaften aus Prag hat bereits 11.000 Punkte gesammelt. Ich erfahre auch etwas über die Funkersprache, die aus Abkürzungen besteht, um die Kommunikation zu beschleunigen. Also für langatmige Liebesbriefe ist der Morsecode nicht geeignet. 😉

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich „unnützes“ Wissen über alles liebe? 😉

Unsere Tour führt weiter Richtung Hohe Wand. Zuerst geht es aber erstmal hinunter in eine Senke, wo wir nach ein paar Minuten das Rastkreuz erreichen. Von nun an geht es stetig bergauf, teilweise sehr steil. Nach insgesamt 2,5 h (samt Pausen) von Grünbach aus, erreichen wir wieder einmal die Wilhelm-Eichert-Hütte, wo wir uns genüsslich stärken, um dann den Heimweg anzutreten. Um kurz vor 15.00 erreichen wir nach rd. 4,5 h den Bahnhof Grünbach (ungleich Grünbach/Schule). Leider verpassen wir den Zug und müssen noch knapp 2 Stunden am Bahnhof warten. Die Zeit nützen wir für ein Schläfchen unter einer nahen Birke.

Herzliche Grüße

Eure Caroline

Nachtrag 4.4.2017: Jeden Funker erkennt man übrigens an seiner „Handschrift“. Sogar ich, als Laie, konnte die unterschiedlichen Persönlichkeiten aus den Abfolgen von kurzen und langen Tönen und der Geschwindigkeit dieser heraushören.